ONE IS ALL! Unser Anime Intro Part 3: Die Musik

Wie einige von euch wissen, bedienen wir mit unseren Showreels jedes Jahr ein anderes Filmgenre. 2019 war das der „Anime“, das populäre japanische Zeichentrickformat. Dafür machte ich es mir zur Aufgabe, die Musik selbst zu schreiben und einzuspielen.

Martin hat in zwei schönen Blogposts (hier und hier) bereits über die Produktion der visuellen Ebene berichtet; nachfolgend beschreibe ich die Herangehensweise und die Entstehung der beiden Songs, die das Anime-Intro (und -Outro) begleiten und inzwischen auch auf Spotify zu hören sind.

A wild Anime-Song appears ...

Die Recherchephase startete im Wesentlichen damit, zahlreiche Anime-Intros anzuschauen und zu analysieren. Ein repräsentatives Beispiel wäre z.B. das Intro zur Serie "Gurren Lagann":

Dabei zeigten sich bald typische Eigenheiten der Soundtracks: Eröffnet wird in der Regel mit einem kurzen musikalischen Auftakt zum eingeblendeten Serientitel. Danach beginnen meistens etwas ruhigere Teile, die in die Geschichte hineinführen und die Charaktere im Einzelnen sowie ihre Freundschaften und positiven Eigenschaften unterstreichen. Danach geht es flott und treibend weiter, um actiongeladenen Szenen zu unterstützen. Für Kampf- und Actionszenen nimmt die Musik oft richtig Fahrt auf und begibt sich auch in die Metal-Richtung.

Als ehemaliger Gitarrist einer Punkrockband war ich der geplanten Musikrichtung nicht fremd, auch wenn ich die Melodien um ein Eck poppiger gestalten wollte als die Musik, die wir damals spielten. Apropos damals …

Das geplante Lied setzte sich also für mich im Wesentlichen aus folgenden Teilen zusammen:

Auftakt zum Logo – ruhige Strophe – Refrain – Metal Bridge - Gitarrensolo – Metal Bridge & Ende

Für den Abspann waren Texteinblendungen zu niedlichen Charakteren geplant, dementsprechend versuchte ich mich hier in eine ganz andere, fröhlichere, „leichtere“ Richtung zu bewegen.

Die Gitarren- und Bassspuren waren rasch gefunden und schnell in den Laptop eingespielt; ebenso das Klavier für das Outro. Dabei spielte Qualität noch eine untergeordnete Rolle:

Die Drums wurden in erster Instanz rudimentär ins Handy eingesummt bzw. „gebeatboxt“. Das klang dann so:

Danach programmierte ich sie in Ableton live neu, addierte die Gitarren- und Bassspuren und hatte so nach kurzer Zeit zwei Rohversionen der Lieder. Dem Intro fügte ich eine gesummte Gesangsspur hinzu, beim Outro half uns hier eine Person, die noch eine wichtige Rolle in der Umsetzung spielen sollte, mehr dazu später.

Go beyond! Die Lyrics

Die Texte von Anime-Songs handeln oft von Liebe, Freundschaften, von der Macht, an sich selbst zu glauben und von der schier unmöglichen Überwindung von Hindernissen durch Liebe, Freundschaften oder die Macht, an sich selbst zu glauben. Diese Klischees wollten wir unbedingt in die Texte bringen. So generierten wir an einem feuchtfröhlichen Abend zwei englische Liedtexte, die diese Animepassagen mit Insider-Sprüchen, Kundenzitaten und Offtexten aus unseren Produktionen vermischten und gemeinsam – absolut keinen Sinn ergaben. Kurz gesagt: Genau das, was wir erreichen wollten.

Lost in translation

Für die Authentizität wollten wir die Songtexte ins Japanische übersetzen. Bei all dem Spaß, den wir soweit mit der Entstehung der Lieder hatten, war es uns doch sehr wichtig, damit niemanden zu beleidigen oder gar in eine kulturrassistische Richtung zu arbeiten. Dazu kam: Niemand von uns sprach japanisch. ಠ╭╮ಠ
Eine Freundin von mir stellte den Kontakt mit der Musikerin Namiho Kuno her, eine unglaublich talentierte und sympathische Sängerin aus Hawaii mit japanischen Wurzeln. Ein Glücksgriff! Sie war sofort mit an Bord, half uns, die Texte zu übersetzen, fand eine Melodie für das Outro und sang uns letztendlich beide Stücke ein.

Final fantasy

Wie auch die letzten Male verlieh unser guter Freund Horst Schnattler und sein Tonstudio Klangkulisse der Produktion die notwendige Professionalität. Alle Instrumente wurden erneut aufgenommen, dieses Mal begleitete mich Horst am Schlagzeug.

Namiho gab am Mikrofon ihr Bestes. Danach wurden noch Kleinigkeiten korrigiert, das Gitarrensolo in zwanzig Versuchen eingespielt (ich war etwas aus der Übung), und zum Schluss von Horst verfeinert, gemixt und gemastert. Success!

Und hier nochmal das Endergebnis in voller Pracht:

(Gernot Stefl)